Pans Wiederkehr

Mittelalterliche Liebeslieder über die Kräfte der Natur

IMG_3393Der Gott PAN – Das Wild jagend schweift er in den Bergen und Waldesschluchten umher, ein scharfer Späher. Er ist der Gott, der nichts vorhat und doch ständig getrieben ist, der die Geselligkeit über alles liebt und doch der einsamste unter den Göttern ist. Ein Müßiggänger, dem keine Stunde schlägt, der Freude hat an Musik und Tanz. Er spielt schönere Weise als irgendein Vogel, der im Blütenmonat des Frühlings sein Klagelied im Gezweig flötet. Und wenn es Abend wird, kehrt er heim in den Schatten seiner Berghöhle und bläst sich auf der Hirtenflöte sein Schlaflied – und mit ihm singen und tanzen die Bergnymphen.

IMG_3376Pan gehört in die Wildnis. Aber die Wildnis ist eine seltene Insel geworden in einer Welt der Städte und Straßen. SANSTIERCE bewegen sich jenseits gangbarer Wege, die zu bestimmten Orten führen und geleiten uns in die Weiten Arkadiens, dort wo die Pfade ziellos laufen und die Urkräfte walten. In den Tänzen und Pastourellen, die sich durch kunstvolle Form und natürliche Anmut der Sprache auszeichnen, nicht selten aber auch ins Schlüpfrige ausarten – lassen sie den Naturgott Pan wiederkehren.

IMG_3379Wir schöpfen einen Teil der Lieder dieses Programmes aus dem großen Fundus der legandären Liedersammlung „Carmina Burana“. Wer diesen Titel hört, denkt zuerst an Carl Orff, der 1935/36 Teile der mittelalterlichen Liedersammlung neu vertonte. Sein Ansatz hat einiges für sich: Schließlich weiß man, dass die rund 250 „Lieder aus (Benedikt)beuren“ keineswegs zum bloßen Rezitieren oder gar zum stillen Lesen gedacht waren. Allerdings fehlen in der Handschrift deutliche Hinweise auf die mit den Texten verbundenen Melodien. Selbst „Neumen“, also Zeichen, die wenigstens ungefähr den Melodieverlauf und Rhythmus andeuten, sind nur teilweise erhalten. Warum also nicht die Musik suchen und finden wie ein Trobador des Mittelalters, oder sogar komponieren, um die Lieder aufführen zu können und vielleicht etwas vom Geist ihrer Zeit und unserer einzufangen?

Von wilden Männern, Faunen und Nymphen

IMG_3388Zahlreiche Bildwerke erzählen aus der Lebenswelt des Hirtengottes Pan. Pan wird häufig mit Venus / Aphrodite zusammen dargestellt. Es ist ein ungleiches Paar. Kein mythischer Hintergrund verbindet sie, aber ein gedanklicher, der oftmals den zweideutigen Witz miteinbringt. Und da er zudem im Kreis der Nymphen verkehrt, die wie er phallische Wesen sind, so kann die Urkraft, die er verkörpert, ihn auch manchmal überwältigen, und er kann dann einer Nymphe (z.B. Syrinx) oder einem Hirtenmädchen nachstellen. Er kann sich aber mit keiner von ihnen verbinden. Der Musikwettstreit zwischen Pan und Apollo ist ein Motiv der griechischen Mythologie, das in der lateinischen Fassung von Ovids Metamorphosen in der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte vor allem seit der Renaissance wirksam wurde. [Text: Maria Anna Flecken]

PROGRAMM:

A LA DOUÇOR DE LA BELLE SAISON

Canso: Lanquand li jorn – Jaufre Rudel (c. 1130 – 1148)
Canso:  Ar em al freg temps – Azalais de Porcairague (Ende 12. Jh)
Canso: Ab jois e jovens m’apaia – Comtessa Beatriz de Dia (Ende 12. Jh)

Instrumental

Chanson d‘amour: A la douçor de la belles seson – Gace Brulé (fl. c. 1185 – 1120)
Pastourelle: Enmi la rousse – anon (12. Jh)
Pastourelle: L‘autrier per la matinee – Thibaut de Champagne (vor 1200 – 1229)

VERIS DULCIS IN TEMPORE

Instrumental

Clauso chronos – Carmina Burana, Lied 73
Ahi, nû kumet uns diu zît – Dietmar von Aist (* um 1115, + nach 1171)
Veris dulcis in tempore – Carmina Burana, Lied 85
Nahtegal, guot vogelîn – Heinrich III von Stretelingen (1258-1294)
Bache bene venies – Carmina Burana, Lied 200