Ubi Caritas et Amor

dt. Wo Güte und Liebe ist, da ist Gott“

Ein Konzert mit mittelalterlicher Musik des Orient und Okzidents zum Jahr der Barmherzigkeit

 

„An sich ist die Barmherzigkeit die größte der Tugenden. Denn es gehört zum Erbarmen, dass es sich auf die anderen ergießt und – was mehr ist – der Schwäche der anderen aufhilft; und das gerade ist Sache des Höherstehenden. Deshalb wird das Erbarmen gerade Gott als Wesensmerkmal zuerkannt; und es heißt, dass darin am meisten seine Allmacht offenbar wird.“
Thomas von Aquin (* um 1225; † 7. März 1274)

IMG_0145Die Barmherzigkeit sei die größte aller Tugenden schreibt Thomas von Aquin in seiner Summa Theologiae. Die Barmherzigkeit bedeutet, dass der Schöpfer jede Sünde dem Menschen verzeiht, wenn er sich bekehrt und die Sünden bereut und gehört neben der Heiligkeit Gottes und der Gerechtigkeit Gottes zu seinen drei wesentlichen Eigenschaften.

„Allerbarmer“ (Ar-Rahman) ist einer der Namen Allahs und zusammen mit „Allbarmherziger“ (Ar-Rahim) der häufigste im Koran vorkommende Name Gottes. Beide Namen stammen von der gleichen Wortwurzel ab und beschreiben die immer währende Liebe Gottes, die dem Menschen zuteilwerden kann, wenn er sie annimmt. Das Geben von Almosen, ist die vierte der fünf Säulen des Islam und damit eine der Hauptpflichten der Gläubigen.

IMG_4535Der titelgebende Gesang: „Ubi caritas et Amor“ ist eine Antiphon aus der Liturgie des Gründonnerstags.  Der Text eines unbekannten Autors lehnt sich an den 1. Johannesbrief an und ist in einer St. Gallener Handschrift aus dem 8. Jahrhundert überliefert.

Der Text der Antiphon ermuntert zu den beiden Formen der christlichen Caritas: der Gottes- und der Nächstenliebe. Die Liebe verbindet, wo sie nicht ist, herrscht Trennung. Die erste Zeile lautet entweder Ubi caritas et amor (‚Wo Güte und Liebe‘) oder Ubi caritas est vera (‚Wo die Liebe wahrhaftig ist‘). Die letztere Fassung wird dabei vom gegenwärtigen Missale Romanum und Graduale Romanum bevorzugt. Wir jedoch bevorzugen den ersten, also älteren Textanfang.

IMG_4214Die Antiphon wurde zusammen mit dem dazugehörigen Hymnus Congregavit nos, als dessen Verfasser man Paulinus von Aquileia  († 802/04) vermutet, im Mittelalter bis zur Liturgiereform des 20. Jahrhunderts während der Fußwaschung gesungen. Heute sind die Antiphon mit fünf Strophen des Hymnus in der Messe vom Letzten Abendmahl zur Gabenbereitung zur vorgesehen. Das Ritual der Fußwaschung stammt aus dem Orient und symbolisiert Gastfreundschaft.

Die Barmherzigkeit ist ruhig, fließend und leise. Sie eröffnet sich demjenigen, der an sie glaubt und sie in Ruhe in sich aufnehmen kann.

SANSTIERCE
Maria Jonas – Gesang
Bassem Hawar – Djoze, Daf
Dominik Schneider – Quinterne, Flöten

als Gast:
Dominika Maria Alkhodari – Viella, Oud

P R O G R A M M

CARITAS

• Ubi Caritas / GT 168
• Antiphona: „Karitas“ mit Psalm 121 (122) – Hildegard von Bingen

BONUM EST CONFIDERE

• Bonum est confidare
• Veritas veritatum
• Agnus Dei – O Jesu salvator
• Benedicamus (Kanon)

IESU CRISTO REDEMPTORE

• Iesu Christo
• Del dolcissimo signore – Laudario di Firenze (2. Hälfte 13. Jh.)
• Troppo perde – Laudario di Cortona (2. Hälfte 13. Jh.)
• Laudatio si